Lisa Elser

Phantasie braucht man immer

Die Mundartdichtern und Autorin Lisa Elser blickt mit über 80 Jahren auf ein bewegtes Leben zurück. Sie ist Zeitzeugin von der Epoche des Zweiten Weltkriegs bis heute und prägte als erste Frau in ihrem Umfeld regionales Kulturgeschehen mit 40 Stücken und zwei Büchern. Sie wirkte literarisch, musikalisch und mit ihren Inszenierungen inmitten eines großen Kreises von Menschen – Inspiration auch für nachfolgende Generationen.

Bild:Lisa Elser1996 erhielt Lisa Elser das "Bundesverdienstkreuz am Bande".
„Kreatives Schaffen macht glücklich!“ Lisa Elser

Lisa Elser, geb. Arnold, ist ein Landkind und der Landbevölkerung hat sie ein lebendiges Denkmal gesetzt. 1929 ist sie in Schwäbisch Gmünd geboren. Aufgewachsen im zugehörigen Ortsteil Weiler in den Bergen, lebt sie bis heute in ihrer ländlichen Heimat. Als fröhliches Kind erlebt sie eine Zeit, in welcher der Vater mit der Postkutsche die Postwege abfährt – zu jeder Jahreszeit und bei jeder Witterung. Dabei darf sie ihn begleiten und erleichtert Arbeit und Mühen durch ihren Gesang hoch oben auf dem Bock. Sie erlebt, wie die Reisegäste in der Kutsche bei ansteigender Fahrt aussteigen und laufen müssen, weil der Vater sein geliebtes Pferd schonen will. Faszinierend für die kleine, musikalische Lisa: der Klang der Glöckchen, an den sie sich bis heute erinnert.

Kindheit auf dem Land mit starker Mutter

Ihre Kindheit ist geprägt vom Landleben ihrer Zeit, einer tüchtigen Mutter und dem frühen Tod des Vaters. Dieser stirbt, als sie neun Jahre alt ist. Sein Kriegserlebnis, verschüttet gewesen zu sein, kommentiert er mit den Worten: „Man kann es gar nicht sagen, wie schlimm der Krieg ist!“. Die Mutter ist streng, aber „herzensgut“ und ein Leben lang Vorbild für Lisa. Ihr späterer Ehemann Konrad Elser erlebt ebenfalls Krieg hautnah, den nächsten Weltkrieg. Für sie selbst ist jedoch die Kriegszeit nicht von Hunger und Not geprägt. Das Überleben ist durch die Bauern gesichert. 1951 kann sie ihren Konrad heiraten, mit dem sie wunschgemäß fünf Kinder bekommt. Die Freude ist bei jeder Schwangerschaft sehr groß, hatte sie selbst doch nur einen Bruder und musste betrübt auf eine Schwester verzichten. Die Kinderschar ist anstrengend, aber auch beglückend für Lisa.

Erste Frau in Männerdomänen

Eine Besonderheit für das Mädchen vom Land ist der Besuch einer angesehenen Schule mit dem Abschluss der Mittleren Reife. Die „Höhere Handelsschule“ wird ausschlaggebend für ihren weiteren Lebensweg sein: Als der Bekanntmacher (Büttel) durch den Ort zieht und eine vakante Stelle bei der Gemeinde verkündet, denkt man an sie. Ihre Bewerbung wird einstimmig vom Gemeinderat angenommen. Mit Freude übt sie die Aufgabe des Schatzmeisters aus (Gemeindepflegerin genannt), als erste Frau in verantwortungsvoller Funktion. Mit der Eingemeindung nach Schwäbisch Gmünd erhält Lisa eine neue Chance. Auf Bitten des Bürgermeisters wird sie Verwaltungsangestellte, später Sekretärin im Hans-Baldung-Gymnasium, gefolgt von einer Tätigkeit im Hospital. Sie ist sehr gerne berufstätig und für Menschen da, ihre Liebe gilt aber ihrer musischen Seite.

Der Männerchor „Liederkranz Weiler e.V.“ besinnt sich aus Mangel an Mitgliedern auf die Frauen. Sie singt mit Feuer und Flamme mit. Eine Generalversammlung wählt sie als erste Frau in den Vorsitz und sie nimmt die Wahl an. Diese leitende Rolle in Frauenhand sorgt für einigen Wirbel in der Region. Die Pionierin erhält rote Rosen für diesen Schritt: Erste Vorsitzende innerhalb des gesamten Deutschen Sängerbundes zu sein, das erregt Aufmerksamkeit und bringt ihr die Bezeichnung „Amazone“ ein.

Kulturschaffende auf Lebenszeit

Das kulturelle Leben umfasst das Theaterspiel, doch der engagierten Vorstandsfrau Lisa gefallen die erhältlichen Stücke nicht. Erbost schreibt ihr ein Verlag, sie möge doch ihre Stücke selber schreiben. Dazu ermutigt sie ihr Sohn Konrad, bis es zu einer höchst produktiven Zusammenarbeit zwischen Mutter und Sohn kommt: Sie schreibt Stücke in Mundart, der Sohn bringt die musikalische Umsetzung ein. Vom Wort bis zur Inszenierung auf der Bühne ist es oft ein weiter Weg, zumal sie intensive historische Recherchen macht. Dabei führen sie Reisen von Weiler bis nach Südtirol. Doch die Arbeit lohnt sich für die hochmusikalische Familie, die Gemeinde und die ganze Region. Ein lebendiges Kulturleben entsteht, nah an den Menschen und an ihren Erfahrungen, aber mit historischem Tiefgang. Den historischen Ereignissen und Personen widmet sie ihren ganzen Forscherdrang. Lisa Elser hat sich – auch in Fachkreisen – den Ruf erworben, glaubwürdig zu sein.

Beglückendes Erlebnis des Schreibens

Die vielen Recherchen bringen ihr ein bemerkenswertes Wissen ein, ganz ohne Studium an einer Hochschule. Sie wird damit auch zur Chronistin. 40 Stücke schreibt sie von den 70er Jahren bis 2011. Alles entsteht auf ihrer alten Olympia, einer neueren Ausstattung widersetzt sie sich. Ihr letztes Werk wird im Herbst 2013 aufgeführt. Mit den Jahren wird ihre Bekanntheit immer größer und sie darf Auftragsarbeiten schreiben, beispielsweise für die Stadt Gmünd und die Stadt Lorch. Den kreativen Schaffensprozess nimmt Lisa Elser sehr ernst. „Wenn ich schreibe, habe ich körperliche Schmerzen!“ Doch ihr Glück beim Schreiben ist auch heilsam. Als sie einmal mehrere Wochen im Krankenhaus liegen muss, lassen sie ein beflügeltes Aufgehen in ihrer Arbeit alles Leiden vergessen. Sie gesundet vollständig. Das Schreiben beschert ihr ein erfülltes Leben. Motto der inzwischen neunfachen Großmutter mit Blick auf die Lebensaufgabe nachfolgender Generationen: „Phantasie braucht man immer!“

Bild:Buch: Herzflattern - Kindheit und Jugend auf dem DorfBücher:
„Mein Papa fuhr mit der Postkutsche“ (1994), Kinderbuch
„Herzflattern - Kindheit und Jugend auf dem Dorf“ (1996)

geschrieben von Evelyn Thriene

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